Konzept der Klinischen Lerntherapie

Die Klinische Lerntherapie ist ein am IigEL entwickeltes Konzept, das sich inzwischen in mehr als 15-jähriger Fortbildungspraxis bewährt hat. Die Klinische Lerntherapie geht davon aus, dass spezielle Störungen wie Dyslexie und Dyskalkulie nur erfolgreich behandelt werden können, wenn sie aus einer ganzheitlichen und interdisziplinären Perspektive verstanden werden.

Interdisziplinäres Konzept

Die Klinische Lerntherapie führt relevante Forschungsergebnisse aus Medizin, Psychologie und Pädagogik zu einem einzigartigen Ansatz zur Behandlung von Lernstörungen zusammen. Dieser Ansatz bildet den Kern der Fortbildung am IigEL. So erfahren die Kursteilnehmer, wie sie Erkenntnisse der verschiedenen Wissenschaften für die Diagnostik und Behandlung von Störungen wie Dyslexie und Dyskalkulie nutzen können. Insbesondere der überragenden Bedeutung der rasch voranschreitenden Gehirnforschung, ohne die heute die menschliche Entwicklung im Kindesalter nicht mehr verstanden werden kann, wird Rechnung getragen.

Sensomotorische Fähigkeiten als Vorbedingung für kognitive Entwicklung

Es ist insbesondere eine zentrale Erkenntnis der neuropsychologischen Forschung der letzten Jahre, die zur Basis der Klinischen Lerntherapie geworden ist, nämlich dass die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten des Kindes in engstem, unmittelbarem Zusammenhang mit der Entwicklung der sensomotorischen Fähigkeiten steht. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass letztere eine notwendige Vorbedingung für erstere ist. Für die Behandlung von Störungen wie Dyslexie und Dyskalkulie wird damit die Förderung, beziehungsweise Wiederherstellung, sensomotorischer Fähigkeiten bei den Kindern zu einer unerlässlichen Aufgabe der Therapie.

Neben diesen sensomotorisch-kognitiven Faktoren wird dem Gewahrsein der Kinderseele in der Klinischen Lerntherapie eine mindestens ebenso große Aufmerksamkeit gewidmet. Denn erst nach Abschluss der Pubertät kann das Kind sein Denken und Handeln kognitiv steuern. Vorher bestimmt die emotionale Stabilität bzw. Störanfälligkeit all sein Tun und Lernen. Die Bedeutung emotionaler Aspekte für das Gelingen von Lernprozessen kann somit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Diese "somato-emotive Gewahrseinsarbeit" (siehe Kasten rechts) ist deshalb seit jeher ein integraler Bestandteil der Klinischen Lerntherapie und der Therapeutenfortbildung am IigEL.

Auf die Basiskompetenzen kommt es an

Neuropsychologische Forschungen haben gezeigt, dass Rechen- und Rechtschreibschwächen häufig ihre Ursachen darin haben, dass die grundlegenden Basisfähigkeiten, die Kinder im vorschulischen Alter entwickeln müssen, fehlen oder nicht genügend ausgebildet sind.

Therapie eingebettet in Stärkung und Wiederbelebung der Basiskompetenzen

Diese Kinder sind dann in der Schule sehr schnell an ihrem Leistungslimit: Es ist ihnen nur schwer möglich, die notwendigen Konzentrations-, Ausdauer- und Aufmerksamkeitsleistungen zu erbringen, so dass die Schule für sie zu einer permanenten Stress-Erfahrung und Überforderung wird. Deshalb wird am IigEL die Therapie von Dyslexie und Dyskalkulie eingebettet in die Stärkung und Wiederbelebung dieser Basiskompetenzen.

Lerninhalte

In der Klinischen Lerntherapie geht es unter anderem um die Förderung

  • körperlicher Wahrnehmungs- und Stabilisierungsmechanismen,

  • visueller und auditiver Wahrnehmungs- und Verarbeitungsfähigkeiten,

  • ideatorischer und sensomotorischer Praxieleistungen,

  • altersgemäßer Kompetenzen im Bereich der Sprachbewusstheit,

  • der phonologischen Bewusstheit und der Sprachverständnisleistung

sowie die Förderung der ursprünglich in jedem Kind vorhandenen, oft aber blockierten Neugier und Lernwilligkeit, also der notwendigen Motivation zum Lernen.

Lernlust statt Lernfrust

Dabei müssen die Kinder in all den genannten Bereichen die Erfahrung machen können, dass die mit allem Lernen verbundene Anstrengung selbst Freude macht und - bei richtiger Lernstrategie - von Erfolg gekrönt ist. In der Klinischen Lerntherapie werden gezielt Impulse gesetzt, die Kindern diese lustvollen Erfahrungen ermöglichen und die sie schrittweise an ein positiv erlebtes Lernen heranführen. Dabei spielen kognitive Faktoren (z.B. das richtige Maß an Stimulation und Forderung) eine ebenso große Rolle wie sozial-emotionale Faktoren (z.B. ein als angenehm und vertrauensvoll empfundener Lernkontext).