Teilleistungsstörungen erkennen

Lesen, rechnen und schreiben sind möglich, wenn lernen möglich ist. Sie basieren auf Vorläuferfertigkeiten aus den Bereichen Wahrnehmung, Motorik und Sprache. Unser interaktiver Screening-Bogen zeigt, woran man Kinder mit einer Teilleistungsstörung für schulisches Lernen erkennen kann.

Screening-Bogen

Beobachten Sie bei Ihrem Therapiekind eines oder mehrere der folgenden Merkmale? Klicken Sie auf diese Merkmale und lassen Sie sich Hintergrundinformationen anzeigen.

  • die Tischhälfte reicht nicht aus

  • Es fällt dem Kind schwer sich und seine Umgebung zu strukturieren. Meist leidet auch das Arbeitsverhalten. Es ist uneffizient. Die Kinder brauchen verhältnismäßig lang für die Hausaufgaben, sie verzetteln sich, sie wissen nicht mehr, was sie wie in welcher Reihenfolge machen sollen... Ihnen fehlt die Fähigkeit "sich aufzuräumen und zu ordnen" (meist auch ihr Zimmer). Ursache ist eine Körperwahrnehmungsstörung mit einer Handlungsplanungsstörung. Meist haben die Kinder auch einen zu niedrigen Tonus, der alle Herausforderungen - und seien sie noch so klein - zu einem unüberwindbaren Berg anschwellen lassen. Weigerung und Vermeidung sind meist die Reaktion.

  • fehlendes Lese-Sinnverständnis

  • Lesen ist eine komplexe Tätigkeit. Man muss Buchstabenzeichen erkennen und in Laute "übersetzen" können. Gleichzeitig muss die Betonung des Gelesenen korrekt sein, sodass das Wort erkennbar und verständlich ist. Es gilt den Zeilenwechsel zu erfassen ohne zu verrutschen und es ist wichtig, der Stimme einen sprechmelodischen Klang zu geben. Hoch komplex erfordert Lesen also eine Koordinationsleistung, die ohne Sinnverständnis nur unzureichend erfolgen kann. Es muss genau untersucht werden, ob das Kind das notwendige Sprachverständnis (Verständnis, Wortschatz...) hat um den Lesetext zu verstehen. Weiterhin muss seine Koordinationsfähigkeit (motorisch und kognitiv) abgeklärt werden. Eine weitere Ursache kann eine Körperschemastörung sein - das Kind nimmt sich und seinen Körper nicht richtig oder nur ungenau wahr.

  • undeutliches und ungenaues Lesen

  • Die Kinder lesen nicht den tatsächlichen Text, sondern einen ungefähren. Es kann sein, dass die Buchstaben zu dicht stehen und das Kind sie nicht genau genug voneinander unterscheiden kann. Es kann auch sein, dass das Kind Schwierigkeiten mit der Blickfolgebewegung hat, dass die Augen in einem ungünstigen Rhythmus (Sakkadenbewegung = weit voraus, kurz zurück...) über die Lesezeilen wandern und so ein flüssiges Lesen nicht stattfinden kann. Eine weitere Ursache kann sein, dass das Kind verbergen will, dass es a) nicht gut lesen kann und b) nicht versteht, was es liest.

  • Überlesen der Satzzeichen

  • Die Kinder haben Schwierigkeiten, ihre Sprechmelodie den Textinhalten anzupassen. Dies geht immer auf Kosten des Sinnverständnisses (für Hörer und Leser). Ursache ist eine Störung der inneren und äußeren Rhythmisierung, dies zählt zu dem Bereich der Motorischen Koordinationsstörungen. Es kann aber auch sein, dass die Ursache in einer Sehstörung liegt und die Satzzeichen einfach "übersehen" werden. Der Augenarzt oder der Optiker sind hier Ansprechpartner.

  • falsche Betonung beim Lautlesen

  • Ursache hierfür kann sein, dass das Kind mechanisch zwar lesen kann, das Gelesene aber nicht versteht. Es handelt sich um eine Sprachverständnisstörung auf der Ebene der Schriftsprache. Die Kinder sollten gelesene Worte mit dem linken Finger geführt begleiten (unbedingt auf Synchronisation achten = Finger und gelesenes Wort sind gleichzeitig überein). Zumeist haben die Kinder auch Schwierigkeiten, Klatschrhythmen einzuhalten und motorische Koordinationsübungen zu machen.

  • Textaufgaben werden nicht verstanden

  • Wenn das Kind Textaufgaben nicht versteht bzw. lösen kann, dann liegt eine Sprachverständnisstörung vor. Der Sinn eines Lesetextes kann nicht erfasst werden. Dies gilt immer dann, wenn das Kind gleichzeitig aber die notwendige Rechnung (wenn man sie ihm hinschreibt) lösen kann. Gelingt dies auch nicht, so liegt eine Rechenschwäche vor.

  • chronologisch erzählen fällt schwer

  • Die Kinder haben Schwierigkeiten Erlebtes mündlich oder auch schriftlich in der richtigen Reihenfolge zu erzählen. Hierfür ist es wichtig, dass logische, kausale Zusammenhänge innerhalb einer Handlungskette erfahrbar sind. Man spricht auch von einer Störung im Bereich der Handlungsplanung oder Sprachhandlungsplanung. Zumeist ist eine sensorische Integrationsstörung die Ursache.

  • Aufsätze werden im Telegrammstil geschrieben

  • Dies kann daran liegen, dass die Kinder über einen nicht altersgemäßen Wortschatz verfügen oder dass sie den vorhandenen nicht sicher abrufen können. Es kann aber auch sein, dass sie Handlungsabläufe nur schwer erinnern und reproduzieren können. Dies ist eine Form der ideatorischen Dyspraxie. Die Kinder tun sich schwer innere Bilder, Handlungsketten und Ideen bewusst wahrzunehmen und mit Schrift wiederzugeben. Selten, aber vorkommend liegt eine emotionale Störung vor, die es dem Kind nur schwer ermöglicht, lebendig und vorstellbar zu erzählen.

  • Vergessen von Verben/Satzteilen in einer Erzählung

  • Erst einmal muss abgeklärt werden, ob das Kind nicht eine Sprachentwicklungsstörung hat. Viele Kinder haben dies - auffällig wird es aber nur in der Schriftsprache. Zum anderen kann es sein, dass die Kinder ihr eigenes Tun (Handeln und Denken) nicht bewusst genug erleben und in Folge auch nicht gänzlich zu Papier bringen. Ursache ist meist eine Tonusstörung (zu niedrig), eine Körperwahrnehmungsstörung (im Bereich der Taktil-Kinästhetik) oder eine Struktur- und Orientierungsschwäche (wo bin ich wie mit was?).

  • Schreibschwungrichtung ist unsicher/wechselnd

  • Man spricht auch davon, dass die Kinder Schwierigkeiten mit dem Richtungswechsel haben Dies geschieht dann, wenn Kinder Schwierigkeiten mit dem Überkreuzen der Mittellinie, der motorischen Koordinationsfähigkeit und dem Körperschema haben. Sie haben keine Richtungsorientierung und können nur mühsam fließende, variierende Schreibschwünge ausführen.

  • rechts-links-Unterscheidung ist nicht sicher

  • Rechts-Links-unterscheidungsfähigkeit ist normalerweise mit 4 Jahren sicher möglich. Kann ein Schulkind dies noch nicht, so deutet das auf eine Störung der räumlichen Wahrnehmung gekoppelt mit einer Körperschemastörung hin.

  • Händigkeit ist noch nicht entwickelt

  • Die Kinder wechseln noch ihre Arbeitshand. Manche Sachen machen sie mit rechts, andere mit links. Es ist auch möglich, dass sie eine Tätigkeit mit der einen Hand beginnen um sie mit der anderen Hand fortzuführen. Man spricht davon, dass sie noch keine Hirndominanz entwickelt haben. Eine Koordinationsstörung ist meist die Ursache. Damit das Gehirn Informationen regelrecht verarbeitn und einspeichern kann, muss sich eine Handdominaz lange vor Schulbeginn entwickelt haben.

  • mangelndes Zeitgefühl

  • Ein mangelndes Zeitgefühl kann viele Ursachen haben. Einmal kann das Kind, neurologisch betrachtet, noch nicht altersgemäß entwickelt sein. Es kann auch sein, dass das Kind Schwierigkeiten im Bereich der räumlichen Wahrnehmung hat. Die Kinder können sich und ihre Leistungsfähigkeit nicht einschätzen und auch nicht in Beziehung zur Zeit setzen. Sie können die ihnen gestellten Aufgaben erfüllen (in einer Schulprobe), werden aber nicht fertig - wichtige Punkte gehen ihnen in der Bewertung verloren.

  • langsames Arbeitstempo

  • Das Kind hat evtl. Koordinationsstörungen gekoppelt mit taktil-kinästhetischen Wahrnehmungsstörungen. Würde das Kind sein Arbeitstempo erhöhen, so würde die Schriftqualität leiden, die Fehleranzahl zunehmen. Es kann auch sein, dass das Kind einen eher niedrigen Grundtonus hat und daher nicht schneller werden kann, weil es zu anstrengend wäre.

  • Buchstabieren fällt schwer

  • Ein Wort sicher buchstabieren können setzt voraus, dass das Kind das Wort in seine Einzel"buchstaben" bzw. Laute zergliedern kann. Hierfür muss es jeden Buchstaben/Laut sicher und eindeutig fühlen. Das Kind muss in der Lage sein, artikulatorische Feinleistungen analysieren zu können und diese in einer vorgegebenen richtigen Reihenfolge erkennen. Voraussetzung sind stabile Erfahrungen im Bereich der Körperwahrnehmung, des Reihenfolgengedächtnisses und der Merkfähigkeit - sowohl taktil-kinästhetisch als auch auditiv und visuell.

  • Zehnerübergang wird schwer erlernt

  • Es kann sein, dass das Kind eine Rechenschwäche hat. Für die Rechenfähigkeiten sind Vorläuferfertigkeiten in den Bereichen der konstruktiv-räumlichen Erfahrung unbedingt notwendig. Um über den Zehner hinaus rechnen zu können, braucht das Kind eine genaue Vorstellung vom Zahlenstrahl - wo auf ihm befindet sich welche Zahlengröße, mit welchen Nachbarzahlen und wie weit sind 2 Zahlen auseinander? Dies sind einige der wesentlichen Fragen, die ein Kind sicher beantworten können muss.

  • viele Fehler beim Kopfrechnen

  • Ursache kann eine Koordinationsstörung sein, auf kognitiver und auf motorischer Ebene. In Folge fällt es den Kindern schwer, Gedankenketten festzuhalten, zu verfolgen und zu vervollständigen.

  • Kinder klagen über Kopfweh

  • Wenn Kinder nach der Schule über Kopfweh klagen, so sollte man die Augen untersuchen lassen. Eventuell liegt eine Sehstörung vor. Es kann auch sein, dass eine Hörverarbeitungsstörung vorliegt, bei der die Kinder übersensibel auf Höreindrücke und Lautstärke reagieren. Man sollte hierbei auch an sensorische Integrationsstörungen denken - vor allem im Bereich des Gleichgewichtes.

  • kleiner/größer werdendes Schriftbild

  • Hierbei handelt es sich um feinmotorische Koordinationsstörung, die mit Erhöhung des Schreibtempos zunimmt - bis hin zur Unlesbarkeit der Schrift. Häufig fällt es den Kindern schwer ein altersentsprechend strukturiertes Arbeitsverhalten zu zeigen.

  • unregelmäßiges Schriftbild

  • Ein unregelmäßiges Schriftbild deutet auf Schwierigkeiten in der Feinmotorik hin. Es können auch Koordinationsstörungen im Bereich der Feinsteuerung von schreibmotorischen Fähigkeiten die Ursache sein. Des Weiteren sind visuelle Wahrnhemungsstörungen denkbar, die Auge-Hand-Koordinationsauffälligkeiten zur Folge haben. es fällt schwer die Buchstaben auf der Linie zu halten und ihnen eine gleichmäßige Größe zu geben.

  • Schreibkrampf

  • Wenn Kinder dazu neigen, einen Schreibkrampf zu bekommen, dann findet man die Ursache in Tonusstörungen. Je dünner der Schreibstift, desto schwieriger ist seine Führung. Kommen noch Störungen Überkreuzung der Mittellinie und Koordinationsstörungen hinzu, dann verstärkt sich diese Auffälligkeit.

  • große Sauerei beim Malen mit Wasserfarben

  • Die Kinder nehmen sich mit ihrem Körper nicht genügend wahr, um Vorsicht zeigen zu können. Sie spüren nicht, wenn sie an ein Gefäß anstoßen (Wasserglas fällt um), sie spüren nicht, ob sie den Pinsel zu heftig säubern (Wasser verspritzt)... Man spricht von einer taktil-kinästhetischen Wahrnehmungsstörung. Auf der Schreibebene zeigt sich diese in einem schlechten Schriftbild, Leichtsinnsfehlern und k-g, t-d und p-b Verwechslung.

  • krumme/schiefe Körperhaltung

  • Einerseits können Wirbelsäulenschäden vorliegen, die der Krankengymnast therapeiren kann. Es kann auch ein zu niedrigerTonus die Ursache dafür sein.

  • Kopf wird schief gehalten

  • Das dauerhafte Schiefhalten des Kopfes ist zumeist ein Hinweis auf Wahrnehmungsstörungen im visuellen System. Die Kinder zeigen in der Folge Schwierigkeiten im Erlernen des flüssigen Lesens und des Buchstabenerwerbs.

  • schlaffe Bauchmuskulatur

  • Die Kinder haben Schwierigkeiten im Turnunterricht, im Bereich der Konzentration und Ausdauerleistung. Ursache ist zumeist ein zu niedriger Tonus.

  • Hausaufgaben brauchen unverhältnismäßig lang

  • Ursachen können Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Ausdauerschwierigkeiten sein.

  • fehlende Mimik

  • Fehlende Mimik ist ein Hinweis auf eine Körperwahrnehmungsstörung. Zumeist haben diese Kinder auch Schwierigkeiten mit dem Zehnerübergang und dem Rechnen. Sie können nur schwer oder gar nicht ihr Arbeitstempo erhöhen. Die Ursachen können im Bereich der Ich-Entwicklung und auch im Bereich neurobiologischer Verarbeitungsstörungen liegen.